Einweihung der Alten Schule
Ein Zeitungsartikel aus dem Jahr 1913 über die Einweihung der „alten“ – damals neuen – Schule in Eldagsen.

Die Einweihung der Schule in Eldagsen.
Am letzten Sonntag gegen 4 Uhr wurde unter zahlreicher Beteiligung der ganzen Gemeinde wie der Schulbehörden die neue Schule in Eldagsen eingeweiht. U. a. hielt Herr Lehrer Büsching-Eldagsen folgende bemerkenswerte Rede:
„Es gibt im Leben des Einzelnen wie auch der Gemeinden Ereignisse, die über den Strom des Alltagslebens hinausragen und eingehendere Betrachtung und Würdigung verdienen. Ich denke, hierhin gehört für uns Eldagser auch das, was uns heute hier zusammengeführt hat, die Einweihung des neuen Schulhauses, das bestimmt ist, fortan unser Liebstes und Teuerstes, unsere Kinder, aufzunehmen. – Fürwahr, es ist ein prächtiges Haus, das heute die Weihe empfängt. Mit seinen schönen Formen, seinen hohen Fenstern und seinen harmonischen Farben macht es einen gar stattlichen Eindruck. Eine Lust ist’s, durch die hellen Räume zu wandern, alle soviel luftiger und sonniger wie im vorigen Haus.
Doch ehe wir uns ganz der Freude hingeben über das, was ist, lassen Sie uns einen Augenblick verweilen und zurückblicken auf das, was war. Die Schule zu Eldagsen blickt auf eine fast 200jährige Geschichte zurück. Denn ihre Gründung fällt wohl in die Zeit Friedrich Wilhelms I., der ja, wie wir alle wissen, nicht nur mit großer Liebe für das Heer, sondern auch für die Schule wirkte. Die Namen der Gründer unserer Schule und auch die Namen der ersten Lehrer sind nicht mehr zu ermitteln, sie sind versunken im Dunkel der Zeit. Der erste noch dem Namen nach bekannte Lehrer in Eldagsen hieß Müller. Von ihm wird berichtet, daß er seinem großen Könige im Kriege geholfen und im Siebenjährigen Kriege den Tod fürs Vaterland gestorben sei. Ferner wird ein Suhre genannt. Die Zeit seiner Amtstätigkeit ist unbekannt. Im Jahre 1795 wurde die Lehrerstelle in Eldagsen dem Lehrer Stohlmann übertragen, der sie bis zum Jahre 1807 verwaltete. Stohlmann hat, mit dem Jahre 1795 beginnend, einige Aufzeichnungen hinterlassen, die von seinen Nachfolgern fortgesetzt wurden. Zu Stohlmanns Zeit wurde auch im Jahre 1802 die vorige alte Schule erbaut. Auf Stohlmann folgten Dammeier, Niedermeier und dann Lüdeke, der von 1817–1860 in Eldagsen tätig war. Kurz vor seinem Abgange, es war zwischen Weihnachten 1859 und Neujahr 1860, brannte, wie die Älteren unter uns ja noch wissen, die alte Schule nieder. Lüdekes Nachfolger war Pott, der Eldagsen 1862 wieder verließ. Nun folgte im September 1862 mein Vater, der hier in Eldagsen, seiner Heimat, 43 Jahre gewirkt hat.
Wenn man die Reihe der Lehrer in Eldagsen überblickt, so wird man finden, daß fast alle längere Zeit, einige sogar über 40 Jahre hier amtiert haben. Das, glaube ich, ist als ein Zeichen guten Einvernehmens zu deuten, das stets zwischen den Eldagsern und ihren Lehrern geherrscht hat. Von meinem Vater weiß ich, daß er sich so ganz als Eldagser fühlte, daß er die Angelegenheiten der Gemeinde stets als die seinen betrachtete. So, meine ich, muß es sein. Der Lehrer muß den Ort seiner Wirksamkeit, auch wenn er nicht dort geboren ist, wie mein Vater oder ich, als seine und seiner Familie Heimat betrachten können. Dann erst kann seine Arbeit den rechten Segen bringen. So wie mein Vater möchte auch ich meinen Beruf hier in Eldagsen auffassen. Ich möchte ein Lehrer in meiner Heimat sein, nicht nur äußerlich, sondern mit tiefstem Gefühl, mit der ganzen Liebe, die die Heimat im Menschenherzen entfachen kann. – 1913 ist es, da dieses Schulhaus geweiht wird. Wir schwelgen in diesen Jahren in der Erinnerung an eine große Zeit. Möge der Geist, der vor 100 Jahren in unserm Volke lebendig war, der Geist des Gottvertrauens und der Vaterlandsliebe in uns Eldagsern mit elementarer Wucht wieder erwachen, möge er stets durch diese Räume wehen und allen Unterricht durchdringen. Möchten Kinder aus dieser Schule ins Leben treten, die mit [dem] Geist erfüllt sind und zu wertvollen Gliedern unseres Volkskörpers heranwachsen.“

Der schon seit einigen Jahren gehegte Plan, in Eldagsen ein neues Schulgehöft zu erbauen, gelangte nun zur Ausführung. Das alte im Jahre 1860 erbaute Schulhaus entsprach den Anforderungen der Jetztzeit nicht mehr. Das niedrige Schulzimmer – es ist nicht ganz 3 Mtr. hoch – sowie das Auftreten des Schwammes in der Wohnung des Lehrers machten einen Neubau wünschenswert. Mehr aber noch drängte die große Schülerzahl. Ueber 130 Schüler, die gegenwärtig vorhanden sind, konnten auf die Dauer nicht mit Erfolg von einem Lehrer unterrichtet werden. Es mußte, sollte die Schule ihrer Aufgabe gewachsen sein, für ein zweites Klassenzimmer und eine zweite Lehrkraft gesorgt werden. Die neue Schule verspricht nun, alle vorhandenen Mißstände zu beseitigen. Es war der Gemeinde gelungen, einen sehr schönen und geeigneten Platz zu erwerben, er liegt an der Chaussee nach Petershagen und ziemlich genau in der Mitte des Dorfes. Die Pläne zum Bau hatte Herr Baurat Quast aus Minden entworfen, der auch die Bauaufsicht hatte. An der Ausführung des Baues waren tätig die Herren Maurermeister Uphoff-Eldagsen, Zimmermeister Dietr. Kleine-Eldagsen, Tischlermeister Röckemann-Kutenhausen, Malermeister Freise-Petershagen, Dachdecker und Klempnermeister Jakobsen-Petershagen und Klempnermeister Stenzel-Petershagen als Lieferant der Pumpen und Bade-Einrichtung. Das Schulgehöft besteht aus drei zu einem harmonischen Ganzen vereinigten Teilen, dem eigentlichen Schulhause mit den Klassenzimmern im Untergeschoß und der Wohnung des 2. Lehrers im Dachgeschoß, der Wohnung des 1. Lehrers und den Wirtschaftsräumen. Die Klassenzimmer liegen nebeneinander und bilden mit ihrer Fensterseite die der Chaussee zugekehrte Südfront des Baues. Sie sind ungefähr 9 Meter lang und 6 Meter breit und haben einen Flächenraum von etwa 54–55 Quadratmetern. Beide werden durch eine große Flügeltür verbunden, sodaß sie bei festlichen Gelegenheiten zu einem großen Raume vereinigt werden können. Die Wohnung des 1. Lehrers besteht aus zwei Stuben, zwei Kammern, Küche und [Speise]kammer im Untergeschoß und zwei Kammern im Dachgeschoß. Ein Teil der Wohnungen ist unterkellert. Sehr zu begrüßen ist die Badeeinrichtung für die Schüler, die im Wirtschaftsgebäude angebracht ist. Die Außenwände des ganzen Baues sind weiß übertüncht, Fenster und Türen sehr schön in Farbe gehalten, das Dach mit unglasierten Rechtsdeckern gedeckt. Ueber dem Westgiebel des eigentlichen Schulgebäudes ist ein Türmchen angebracht, in dem die alte 1738 gegossene Dorfglocke aufgehängt ist. Auf einstimmigen Wunsch der Gemeinde wurde sie, die fast 2 Jahrhunderte hindurch Freud und Leid der Dorfeingesessenen mit ihren ehernen Klängen begleitet hat, mit zur neuen Schule hinübergenommen. Der Bau, dessen Südfront 20 Meter, dessen Westfront aber 3[5] Meter lang ist, macht einen recht schmucken Eindruck und es ist nicht zuviel gesagt, wenn man dieses wirklich sehenswerte Schulgebäude als gegenwärtig schönstes im Amtsbezirk Petershagen erklärt.
